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alte Kirche Innenraum Seitenaltar Taufbecken
Kreuzweg Ambo Marienbild Marienstatue Totenmal
 
Zur Architektur der Pfarrkirche St. Florian

von Georg Siegel

„Die Raumgestalt unserer neuen Pfarrkirche ist aus dem Material unserer Zeit geschaffen und mit den Möglichkeiten unserer Zeit. Sind wir unserer Zeit gewachsen? Ich frage.
Manche stoßen sich an dem ungewohnten  Anblick des Betons. Zunächst einmal wollen wir sagen, daß sich noch viel mehr Menschen stoßen an den Pseudovergoldungen aus lauter unechtem Marmor, unechtem Gold, aus unechtem Aufputz vergangener Zeiten; daß sich viel mehr Menschen daran stoßen, daß die Kirche hier etwas vortäuscht, was wirklich nicht ist, und so tut, als ob sie noch mit Geschmeide und Gold prunken könnte oder gar sollte. Im letzten ist das Gold in der Kirche der ärmste Bettel, das wollen wir vorausschicken, und wird heute Gott sei Dank auch als solcher empfunden. Daß wir das Material unserer Zeit nehmen zur Gestaltung dieses Raumbildes, hat, abgesehen von technisch selbstverständlichen Begründungen, noch einen tiefen Sinn. Glaube und Religion sind nicht etwas, das neben den Leuten steht. Das sind Stoffe unserer Zeit, und sie erinnern daran, daß wir Werkleute unsere Zeit sind, auch im Namen des Glaubens. Der bekannte Pfarrer Jakobs hat, als er 1930 seine Kirche in Mühlheim an der Ruhr baute, immer wieder auf die Betonpfeiler verwiesen: “Lernt von ihnen: im Arbeitskleid erfüllen sie den Dienst ihrer Berufung. Sie können jetzt schlank sein, weil sie kraftvoll gebaut sind, und so ihre Last tragen; lernt von ihnen.“ Inzwischen haben wir verstanden, durch eine entsprechende Schalung auch eine gewisse Gliederung in den Beton zu bringen. Man spricht heute davon, daß der Beton geradezu ein Ausdruck der Verläßlichkeit des technischen Dienstes sei.
Wir stellen uns damit unserer Zeit, so wie sie ist. Wir wissen, daß es noch nicht das Ende der Zeit ist. Aber eine Kirche ist zu bauen aus dem Heute und für das Heute, und da müssen wir ganz ehrlich sein und allen Putz und allen Tand und alle Pseudoverkleidung weglassen und das wesentliche, das gefordert ist, leiste.
Damit haben wir auch ein Vorbild für den Aufbau unseres eigenen Glaubenslebens. Nicht mit Zutaten, nicht mit persönlichen Privatandachten subjektiver Art, sondern mit der Leistung des Entscheidenden, das uns aufgetragen ist, zum Heil von uns allen und zum Heil der Welt müssen wir beginnen. So ist auch die Gestalt der Kirche in ihrer Zeithaftigkeit, technisch gesehen, in ihrer Bildhaftigkeit, wie sie hinausweist, ein Sinnbild der Kirche als Ganzes.
Der Architekt hat aus tiefem Verständnis des Glaubensmysteriums geplant, und an uns liegt es, unserer Berufung entsprechend das zu tun, was uns hier als Bild vorgegeben ist. Der Kirchenbau ist letztlich nur eine Zutat, ein Beiwerk: Aufzubauen ist Kirche nur aus dem guten Willen und aus dem Glauben von allen, aus dem gemeinsamen Handeln und Heilstun mit Christus und durch Christus in unsere Mitte.“(1)

Diese Worte schrieb der Pfarrer von St. Florian, Theodor Blieweis, 1967, nachdem die Bauarbeiten am neuen Pfarrkomplex im Großen und Ganzen abgeschlossen waren, wohl als Antwort auf all jene Stimmen, denen „die außerordentliche Strenge, Härte und Wucht des Baus [.......] total wesensfremd“ war (2).

Mitte des letzten Jahrhunderts gab es im Pfarrgebiet von St. Florian 22000 Katholiken; zu viele für die seit 1725 bestehende Kirche, die schon 1858 als zu klein angesehen worden war. Um Abhilfe zu schaffen, hatte es bis dahin schon zahlreiche Projekte gegeben, die von einer Verlängerung der Kirche bis zum kompletten Neubau reichten, die jedoch auf Grund der ungünstigen Platzsituation - die Kirche stand wie ein Fahrbahnteiler mitten auf der Wiedner Hauptstraße - und den Weltkriegen immer wieder aufgegeben worden waren.

Am 20. Mai 1961 war es dann doch so weit. Nachdem man sich nach längerem Hin und Her mit der Gemeinde Wien auf den neuen Bauplatz Ecke Laurenzgasse - Wiedner Hauptstraße geeinigt hatte, wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt.  Beim dafür ausgeschriebenen beschränkten Wettbewerb hatte das Projekt des kölner bzw. frankfurter Architekten Rudolf Schwarz den 2. Platz errungen. Da jedoch kein Projekt von der Jury als ausführungsreif beurteilt worden war, vergab sie auch keinen 1. Preis. Nach anfänglicher strikter Ablehnung aller Wettbewerbsergebnisse wurde dennoch Arch. Schwarz mit der Ausführung betraut und es wurden von ihm neben einer Abänderung des Wettbewerbsentwurfes verschiedenste Konzepte ausgearbeitet, die von Rechtecken bis hin zu Parabel- und Ellipsenformen reichten (3) . Letztendlich gelangte dann doch der abgeänderte Wettbewerbsentwurf zur Ausführung.
Auch von der ursprünglichen Forderung nach einem Raum für bis zu 2000 Gläubige mit 800 Sitzplätzen war abgegangen worden. Man begnügte sich nun mit 1200 Besuchern für die es 600 Sitzplätze geben sollte.

 

Rudolf Schwarz gilt als einer der führenden Architekten am Gebiet des Kirchenbaus des 20.Jahrhunderts. Eine Vielzahl von ausgeführten Projekten und Entwürfen, sowie ein umfangreiches theoretisches Werk zu diesem Thema zeugen davon. Jedoch erlebte er die Grundsteinlegung von St. Florian nicht mehr, er war im April 1961 verstorben. Der Bau wurde von seiner Frau, der Architektin Maria Schwarz, und seinem Mitarbeiter Arch. Hubert Friedl fertiggestellt. Die Bauleitung hatte der wiener Architekt Hans Petermaier über, von dem auch das anschließende, 1965 begonnene Pfarrhaus mit Glockenstube stammt. Die statischen Berechnungen lieferte das Ingenieurbüro Dr. Kugi und Dr. Valentin, und die Bauarbeiten wurden von Stadtbaumeister Franz Jakob ausgeführt.
 

Am 20. Oktober 1963 wurde das Gotteshaus mit der feierlichen Kirchenweihe seiner Bestimmung übergeben.
Dadurch waren allerdings auch die  Tage der alten „Rauchfangkehrerkirche“ gezählt. Trotz heftiger Proteste wurde sie 1965 abgerissen, da die Straßenbahnlinie die bisher um die Kirche geführt worden war unter die Straße verlegt werden sollte und eine Unterfangung des Bauwerks zu teuer gekommen wäre.


Der Grundgedanke des ausgeführten Baus, ein hoher kastenartiger Hauptraum mit großen Fensteranteilen, war schon beim Wettbewerbsentwurf vorgeschlagen worden. Auf die projektierten vier Lichthöfe in den niedrigen Seitenschiffen wurde in den schlußendlichen Bauplänen jedoch verzichtet, da die Pfarre verlangt hatte, daß der Hauptaltar von allen Punkten der Kirche frei sichtbar sein sollte.
Der Architekt selbst schrieb über den Bau: „Der Bau besteht aus zwei übereinander gebauten Zonen, unten einer niedrigen, in der Form eines gedrungenen Rechteckes, und einem sehr hohen Obergaden in der Form eines langgestreckten Rechtecks. Die Obergaden schweben beinahe frei.“ „Die beiden Längswände hängen auf je drei senkrechten Stützen wie Hängebrücken auf ihren Pylonen, nämlich den beiden Eckpfeilern und einem Mittelpfeiler. Die Pfeilerköpfe sind durch hängende Dreiecke aus Ortbeton versteift. Nach unten folgt dann eine Anzahl von Hängewerken mit einem gemeinsamen Hängepfosten. Zwischen ihnen liegen die schräg abwärts sinkenden Fensterbänder. So wird das Hochschiff gleichsam zu einem Festplatz, um den an Masten Gewinde gehängt sind. So auch wird der Bau von Außen zu einem bekränzten Schrein. Das alles ist dem Bau aber nicht hinzugetan, sondern aus einer Konstruktion hervorgebracht, sie liefert selbst das bedeutende Bild. Die tragenden Stützen sind nicht eingespannt, darum mußten die beiden Stirnwände zu starren Scheiben werden, die aus Riegelwerk gebildet sind. Dabei ergab sich vorne eine steigende Gestalt wie ein Baum, der wie in Düren (5)  im Altar wurzelt. In die Eingangswand wurde ein Kreuz eingewoben. In diesem Fall haben wir eine Empore für Sänger und Musiker vorgesehen. Wien hat eine Überlieferung der großen gottesdienstlichen Orchester, und für ihre Darbietung war eine abgesonderte Bühne unerläßlich.“(6)
 

Der Architekt hat ein Bauwerk von großer Transparenz geschaffen. Nicht, daß man durch die Glasfenster das Innere sähe, jedoch ist der Raum von Außen völlig ablesbar. Viel mehr als das, was man von Außen erkennen kann, gibt es im Inneren auch nicht. Pfarrer Blieweis begründete diesen Umstand so: „Einst wurden Kirchen von außen nach innen gebaut, heute von innen nach außen. Früher gab man den Kirchen eine schöne, oft prächtige Gestalt von außen, und innen waren sie für die Feier einer am Gottesdienst Anteil nehmenden Gemeinde oft ungeeignet durch ihre die Sicht hindernden mächtigen Pfeiler und Nischen und sich verengenden Eingänge. Heute ist es entscheidend, daß das Gotteshaus eine würdige Gottesdienstfeier ermöglicht, die richtigen Orte für die Sakramentenspendung in sich birgt und auch den privaten Andachtsraum. Aus dem heraus resultiert seine äußere Gestalt. Auch an unserer Kirche ist das erkennbar. Im Äußeren der neuer Kirche drückt sich zunächst nur aus, was als Raum von innen her entworfen wurde.“(7)
So reduzierte sich die Form der Kirche auf ein schlichtes Nebeneinander dreier Quader. Diese Schlichtheit spiegelt so auch die Schlichtheit des Innenraums wider, die anfangs beschrieben wurde.


Doch ist diese Schlichtheit des Innenraums nur auf den ersten Blick bzw. bei Schlechtwetter vorhanden. Sobald die Sonne scheint kann man dem Raum einen gewissen Prunk nicht absprechen, dann nämlich, wenn die bunten Glasfenster voll zur Geltung kommen und zum primären gestaltenden Element des Innenraums werden und so in ihrer Funktion über das bloße Licht-herein-lassen (was sie auch nicht wirklich tun) hinaus gehen.
Der Maler Giselbert Hoke schuf hier in dunklen, intensiven Farbtönen, jedoch mit großem Grauanteil  ein Werk von beträchtlichen Ausmaßen. Die von ihm gestalteten Hochschiffwände haben 835 Fenster mit einer  Fensterfläche von 747.11 m2, die gänzlich farbig ausgeführt ist. An der Altarseite verstärkte er das durch das Stahlbetonskelett gebildete Motiv des Lebensbaums, die rechte Seite ist die „Waagewand“, die linke die „Torwand“. In der Rückwand über dem Eingang wird das in die tragende Struktur eingeplante Kreuz durch die Farben noch zusätzlich hervorgehoben.
Das Zusammenspiel von kleinen Flächen zwischen den Betonrippen und den großen Flächen als ganzes und ihre Erstreckung über alle vier Hochschiffwände erzeugt einen unheimlich homogenen Eindruck und verwirklicht sowohl die Idee des Architekten eines Festplatzes wie es auch die Einraumwirkung des Raumes enorm steigert.
In den Worten „Festplatz“ und „Einraum“ liegt wohl auch die Stärke diese Raumes oder Platzes, die von jedem Punkt des Kircheninneren so erlebt werden kann.
„Der große, weite Raum unserer Pfarrkirche ist eingeteilt, unterteilt in Orte. Diese Orte wachsen zusammen. In Richtung des Raumes ergibt sich das in der zentralen Stellung des Altarbereichs. Der Architekt hat dieses Langhaus, das er hier gebaut, gedeutet in seiner „Grundrißsymbolik“ als „Volk auf dem Weg“, Pilgerschaft. Und das ist ja auch unsere christliche Lage. Wir alle sind Pilger und kehren auf dieser Pilgerschaft ein hier am Altar bei Christus, dem Sohn Gottes.“(8)

Diese Orte haben jedoch im Lauf der Zeit einiges an Veränderung erfahren, teils um sie den geänderten Anforderungen der Liturgie anzupassen oder um den Vorstellungen und Wünschen der Gemeinde zu entsprechen.
So wurde der Bereich des Seitenaltars  im linken Seitenschiff im Rahmen umfangreicher Sanierungsarbeiten im Jahre 1986 umgestaltet. Bis dahin zelebrierte der Priester dort die Messe mit dem Rücken zum Volk und der von Erwin Klobassa 1965 geschaffene Tabernakel stand mitten auf dem Altar, der durch eine 3,75x5m große Laterne von oben her mit natürlichem Licht beleuchtet wird, wodurch der Bereich im dunklen Seitenschiff hervorgehoben wird. Nun wurde also der Tabernakel neben den Altar auf einen Unterbau aus Sapeli - Mahagoni gestellt, der wie auch die Sessio und der Ambo nach Plänen von Arch. Helmut Hempel und Arch. Franco Fonatti damals neu angeschafft worden war (9) . Seit damals steht der Priester während der Wandlung mit dem Gesicht zu seiner Gemeinde.
Auch das Muttergottesbild , eine Kopie des Iinnsbrucker Bildes von Lukas Cranach und über 200 Jahre alt, das das Hochaltarbild der alten Kirche gewesen und bisher über dem Seitenaltar gehangen war, wurde neben den Altar gehängt.
 

Neben den zum Seitenaltar gehörenden Sitzreihen befindet sich an der Seitenwand auf einer Länge von 17,10 Metern der durchgehende, plastische Kreuzweg des Bildhauers Peter Gangl der nach einem begrenzten Wettbewerb der Erzdiözese 1969 die bis dahin vorhandenen 14 Kreuze ersetzte und ein Fläche von 55,25 m2 einnimmt.
Der Kreuzweg wird durch Lichtkuppeln von oben her beleuchtet. Da an dieser Seite der Pfarrsaal an die Kirche angebaut ist, ist hier nämlich das sonst umlaufende Fensterband aus 76 quadratischen Fenstern unterbrochen, was die Ausführung eines Kreuzwegs in dieser Größe, die ursprünglich nicht geplant war, erst ermöglichte. Diese Fensterreihe, die sonst  bis auf die Wand direkt hinter dem Altar an allen Wänden vorhanden ist, war ursprünglich nicht geplant, und schon als sie dann eingeplant wurde, gab es Bedenken, ob sie nicht das gesamte künstlerische Konzept des hellen Haupt- und der dunklen Seitenschiffe durcheinanderbringen würde. Nachdem sie dann fertiggestellt worden war, zeigte sich, daß die Bedenken berechtigt waren. Die hellen Fenster hatten eine starke Blendwirkung, und auch Giselbert Hoke sah die Wirkung seiner Glasfenster dadurch gefährdet. So wurden die Fenster im nachhinein gerußt, sodaß nun durch die dunkelgrauen Scheiben kein Licht mehr einfallen kann.

Im Rahmen der Anpassungen des Jahres 1986 wurden in der Mitte des rechten Seitenschiffes drei dieser Scheiben durch teilweise gelb gefärbte ersetzt.

Dadurch erhielt die Marienstatue, die zuvor beim Mittelpfeiler gestanden und nun an die Wand gerückt worden war, eine Art Strahlenkranz. Um sie herum wurde ein Halbkreis von Sesseln aufgestellt, und so ein zur Marienverehrung ausgewiesener Bereich geschaffen, in dem sich auch die Opferkerzenständer befinden. Die Statue ist aus einem Lindenstamm geschnitzt und ein Werk des Bildhauers Robert Ullmann aus dem Jahre 1953. Sie war im Hinblick auf den Neubau schon für die alt Kirche angeschafft worden, genau wie die Statue des hl. Joseph von Prof. Erich Pieler (1952) die links hinten aufgestellt ist und die Statuen des hl. Antonius und des hl. Judas Thaddäus des Bildhauers Rudolf Schwaiger (1950-51), die beide im Sockel mit Kassen versehen sind, und so, im Windfang der Kirche stehend, um eine Spende bitten.

Auch das Totenmal rechts hinten war ursprünglich aus der alten Kirche übernommen worden, doch die neue Kirche verlangte ein anderes Totenmal. Das Büro Schwarz lieferte 1964 Pläne für eine der Gestalt der Kirche gemäßere Gedenkstätte, die auch ausgeführt wurden. Sie besteht nun aus einem Glasschränkchen auf einem stehenden Steinquader und einem liegenden Quader für Kerzen, beides aus griechischem Kristallino. An der Wand darüber befindet sich eine Pieta aus Bronze, des Bildhauers Hubert Wilfan.

Aus dem selben Stein und ebenfalls nach Entwürfen des Büro Schwarz sind die Weihwasserbecken, sowohl die freistehenden als auch die an der Wand befindlichen, und das Taufbecken mit Leuchter, Bank und die Seitenteile des Glaskästchens, in dem die Kanne und die Schale für die Taufe aufbewahrt werden.
 

Der flächenmäßig großzügig ausgeführte Taufbereich befindet sich seitlich des zentralen Altars, vorne im rechten Seitenschiff. Wie der Werktagsaltar wird auch er von oben her durch eine Laterne, 3.75 x 3.75 m beleuchtet und ist, da die Laterne auf der Südseite des Gebäudes liegt und nicht wie beim Werktagsaltar im Schatten des Hochschiffes, der hellste Bereich des Innenraums. Das runde, ganz aus Stein gefertigte Taufbecken bildet das Zentrum des Bereichs. Sein schwerer versilberter Deckel trägt als Schmuck einen großen gefaßten Bergkristall als Symbol für Christus. Neben seiner Funktion als Schmuck ist dieser Stein und seine Befestigung auch nötig, um dort und an dem diagonal angeordneten Griff den Deckel überhaupt anpacken und hochheben zu können. Auf dem neben dem Becken stehenden, steinernen Kerzenständer ist die Osterkerze aufgesteckt und auf der niedrigen Steinbank sind während der Taufzeremonie die notwendigen Utensilien hergerichtet.

Im Hauptschiff steht nun der Hochaltar, ein Marmorblock mit einer Grundfläche von 2.20 x 1.50 m. Auch er wurde nach einem Entwurf aus dem Büro Schwarz angefertigt. In der Mitte der Vorderseite ist der Altarstein mit Reliquien des hl. Florian und der hl. Justa eingelassen. Er trägt die Aufschrift : „corpora sanctorum (Körper der Heiligen)“. Auf seiner Oberseite sind fünf Kreuze eingemeißelt, die noch Spuren des Weihrauchs zeigen, der bei der Kirchenweihe auf ihnen verbrannt wurde. Vom restlichen Kirchenraum hinauf zum Altar führen Stufen; zuerst eine, die über die ganze Breite des Raumes durchgeht, dann zwei über die man die Ebene erreicht auf der die Sessio und der Ambo stehen und schließlich drei Stufen bis zur Altarebene, 96 cm über dem Niveau der Besucherbänke. Auf der untersten dieser sechs Stufen gibt es links und rechts rudimentäre Chorschranken bzw. Kommunionbänke, die aus einer Marmorbrüstung auf Stehern aus Bronzeguß bestehen. Die Lage der Sessio, rechts vor dem Altar, war übrigens anfangs nicht so geplant gewesen. In früheren Plänen findet sie sich auch hinter, bzw. rechts neben dem Altar.

Ursprünglich war in St. Florian ein Ambo aus Stein vorgesehen gewesen, der die Hauptform des Raumes, den Quader, übernommen hätte, doch wurde dieser nie ausgeführt (10). Möglicherweise geschah dies aus Gründen der Akustik, denn in einem Schreiben des Raumakustikers wird auf den Vorteil eines mobilen Ambos hingewiesen, den man im Bedarfsfall in das niedrige Seitenschiff stellen könnte, wodurch die nach oben gehenden Schallwellen an der niedrigen Decke zum Publikum reflektiert würden. So könnte auf einen Schalldeckel über dem Ambo verzichtet werden. Offenbar sollte der Lektor auch ohne Lautsprecheranlage verstanden werden.
 
 

Das gesamte Beleuchtungskonzept des Kirchenraumes ordnet sich seiner künstlerischen Ausgestaltung durch die Glasfenster unter und dient der Betonung des hohen Hauptschiffes, des Festplatzes. „Deckenleuchten in den Seitenschiffen müssen in der Wattzahl so gering dimensioniert werden, daß bei voller Beleuchtung die Seitenschiffe geringer hell sind als das Hauptschiff“, steht als Vermerk auf dem Plan, in dem die Lage der Beleuchtungskörper angegeben ist. (11)
Aus dieser Unterordnung ergibt sich jedoch auch, daß der Raum dunkel und die vorhandene künstliche Beleuchtung besonders zum Lesen nicht auszureichen scheint sobald wenig oder kein natürliches Licht durch die Fenster in den Raum gelangt (also an bewölkten Tagen oder bei Nacht).
Die Beleuchtungskörper im Hauptschiff wurden aus Plexiglas und Messing nach Plänen des Büro Schwarz hergestellt, und hängen an ca.14m langen, bewehrten Leitungsdrähten von der Hauptschiffdecke (12).

Das Grau des Marmors harmoniert ausgezeichnet mit den Sichtbetonflächen, in denen beabsichtigterweise die Struktur der Schalungsbretter ablesbar ist. Die skelettartige Struktur der Hauptschiffwände und sämtliche Pfeiler, alles was auf den ersten Blick als tragende Struktur erscheint, ist so ausgeführt. Der niedrigen umlaufenden Stahlbetonwand ist im Inneren eine Ziegelschar vorgeblendet, die verputzt und weiß gestrichen ist, wodurch die vorher erwähnte graue Sichtbetonstruktur besonders stark betont wird.
Auch der dunkelgrüne glatt geschliffene Serpentin des Fußbodens und die Holzdecke, die aus Gründen der Akustik eingeplant wurde, und in ihrem Farbton an die Bänke aus Mahagoni angepaßt ist, fügen sich in das Gesamtbild. Die Bänke waren ursprünglich aus Lärchenholz geplant gewesen, wurden dann jedoch aus Danta Mahagoni Vollholz hergestellt, was billiger kam.
So ergibt sich ein, durch den großen Grauanteil zwar dunkler, in seinem Farbkonzept jedoch vollends durchdachter Raum, in dem die verwendeten Materialien bei rechtem Licht ihre Farbigkeit entfalten. Ganz konnte jedoch nicht verwirklicht werden, was Arch. Petermair vor Baubeginn an Arch. Schwarz schrieb: „Als Vorprüfer hatte ich schon anläßlich des Wettbewerbs die Gelegenheit, auf die künstlerische Qualität dieses Kirchenprojekts hinzuweisen, das eine moderne Ste. Chapelle zu werden verspricht.“(13)
 

 1 T. Blieweis: „Die Pfarrgemeinde St. Florian",  1967
 2 Aus einem Brief des Pfarrbeirates von St. Florian an den Erzbischof, auf das Wettbewerbsergebnis Bezug nehmend, 1957, Pfarrarchiv St. Florian, Wien V
 3 Korrespondenz Schwarz an Blieweis, 27.1.58, Pfarrarchiv St. Florian, Wien V.
 4 Aus: „Einladung zur Anbotstellung füreinen Kreuzweg...", Diözesanarchiv Wien, 212/3
 5 Kirche St. Anna in Düren, Deutschland, ebenfalls von R.Schwarz 1951-61
 6 R.  Schwarz:  „Kirchenbau,  Welt vor der  Schwelle''.F.H.Kerle,   Heidelberg,   1961,  zitiert  in  T.BIieweis: „Die Pfarrgemeinde von St. Florian in Wien", 1967
 7 T. Blieweis: „Die Pfarrgemeinde von St. Florian in Wien", 1967
 8  T. Blieweis: „Die Pfarrgemeinde von St. Florian in Wien", 1967
 9 F. Achleitner: „Osterreichische Architektur im 20. Jahrhundert", Bd.111/1 Wien, Residenz Verlag
10 Plan StFlorian V, 296090, 25.10.63, Diözesanarchiv Wien, 296
11 Büro Schwarz, Plan Beleuchtung Kirche, 10.4.61, Diözesanarchiv Wien, 296
12 Büro Schwarz, Plan Beleuchtungskörper, 18.6.63, Diözesanarchiv Wien, 296
13 Korrespodenz Petermaier-Schwarz, 21.3.1959, Diözesanarchiv Wien, 211/2

Literatur
Achleitner Friedrich: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Bd.III/1 Wien, Residenz Verlag, 1990
Architektur Wettbewerbe, Heft 27, Kirchen von heute, Karl Krämer Verlag, Stuttgart, 1959
Blieweis Theodor: Die Pfarrgmeinde St. Florian in Wien V, Pfarre St. Florian, 1967
Jachym Franz, Petermair Hans: Der internationale wiener Kirchenbauwettbewerb, in: Das Münster, 10. Jahr, Heft 7/8, Verlag Schnell & Steiner, München 1957
Fiala Peter: 200 Jahre Pfarre St. Florian in Matzleinsdorf, Pfarre St. Florian, 1983
Kunstreferat der Erzdiözese Linz, Reihe Kirchenbau, Bd.1: Rudolf Schwarz (1898-1961) Werk. Theorie. Rezeption, Ausstellungskatalog, 1997
Muck Herbert, Eckert Gunther, Piscalar Siegrun, Hempel Helmut: Arbeitsheft St. Florian, Institut für Kirchenbau und Sakrale Kunst, 1984
Muck Herbert, Der Neubau der Pfarrkirche Wien V St. Florian - Zur Einweihung der Kirche St. Florian in Wien, Pfarrarchiv St. Florian, Wien V
Rodt Norbert: Kirchenbau in Wien 1945-1975, Bd.19, Kirchenhistorisches Institut der katholisch- theologischen Fakultät der Universität Wien, 1976
Widder Erich: Zeichen des Heils, Oberösterreichischer Landesverlag Linz, 1963

Zahlreiche Korrespondenzen, Akten und Rechnungen aus dem Diözesanarchiv der Erzdiözese Wien (210, 211, 212, 293) und dem Archiv der Pfarre St. Florian, Wien V; unter anderem Wettbewerbs-ausschreibungen und Juryprotokolle für Kirche, Glasfenster und Kreuzweg und Auftragsschreiben und Rechnungen betreffend die Innenausstattung.

Entwurfs- , Einreich- und Polierpläne aus dem Bauamt der Erzdiözese Wien und dem Archiv der Pfarre St. Florian, Wien V.

Detailpläne, auch der Einrichtung, aus dem Diözesanarchiv der Erzdiözese Wien und dem Archiv der Pfarre St. Florian, Wien V.